Offener Brief an den Innenminister Thomas de Maizière

Sehr geehrter Herr Minister,
es ist bekannt geworden, dass eine Pressemitteilung des Ministeriums für Inneres zur Debatte über muslimisches Leben in Deutschland, die am 24.10. veröffentlicht wurde, zuvor auf Druck der islamischen Verbände umgeschrieben wurde.
Sie als Innenminister hatten in der ursprünglichen Fassung die Verbände eindrücklich dazu aufgefordert, sich aktiver an Diskussionen über das muslimische Leben zu beteiligen, und mit Blick auf den türkischen Verband Ditib eine innerislamische Debatte und eine vom Ausland unbeeinflusste Mitgliedsstruktur gefordert.
Stattdessen wurde auf Wunsch der Verbände folgender Passus eingefügt:
„Wir brauchen die Verbände, wenn es darum geht, jungen Muslimen Orientierung zu geben, und begrüßen, dass sie sich für die Deutungshoheit über den Islam einsetzen.“

Mit solchen Kompromissen wird die Bundesregierung das Vertrauen der Muslime langfristig verlieren.
Die Bundesregierung arbeitet auf diese Art und Weise reaktionären und islamistischen Verbänden, die vom Ausland gesteuert werden und Gruppierungen und Mitglieder beherbergen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, zu und überlässt ihnen ganz offiziell die Deutungshoheit über den Islam in Deutschland. Sie übergeht dabei die säkularen und aufgeklärten Muslime, die die Mehrheit der Muslime in Deutschland stellen und von den konservativen Verbänden nicht vertreten werden wollen.
Lassen Sie es uns ganz deutlich sagen: Wir haben kein Vertrauen zu den muslimischen Verbänden und wehren uns ausdrücklich dagegen, dass diese in unserem Namen Beschlüsse durchbringen, die das Leben der Muslime in Deutschland nachhaltig verändern werden.

Wenn die deutsche Regierung den Kurs der konservativen Verbände weiterhin unterstützt, macht sie sich mitverantwortlich für eine Entfremdung der Muslime und ein Scheitern der Integration.
Die Konflikte innerhalb der muslimischen Gemeinschaft werden zunehmen und die Ängste innerhalb der Mehrheitsgesellschaft werden sich verstärken. Das ist unsere ernüchternde Prognose.
Die Verbände sind türkisch dominiert und repräsentieren nur einen Teil der Muslime in Deutschland. Sie sind nationalistisch und bauen keine Brücken. Ganz im Gegenteil. Es werden Ressentiments und Hass gegenüber Kurden, Aleviten und anderen Gruppen gepflegt und verstärkt.

Ein ganz wichtiges Thema nimmt der islamische Religionsunterricht ein. Hier können Weichen für die Zukunft gestellt werden. Wenn die zukünftigen Generationen von Muslimen sich klar zu Demokratie, Menschenrechten und Aufklärung bekennen sollen, dann müssen die Curricula schon heute dementsprechend konzipiert werden. Wir bezweifeln ganz stark, dass dies in Kooperation mit der IGMG, der Ditib und dem ZMD möglich ist.
Die Einbindung von säkularen aufgeklärten dem deutschen Staat und der deutschen Gesellschaft zugehörig fühlenden Muslimen ist keine Forderung, die zur Diskussion steht. Sie ist ein Muss!

5 Gedanken zu „Offener Brief an den Innenminister Thomas de Maizière“

  1. „Liebe deinen Naechsten!“ – das vermisse ich in der aufgeklaerten Deutung des Koran. Ich als Atheist brauche keine Religion um meine Achtung und Aufrichtigkeit den Menschen gegenueber zu beweisen! Man braucht keinen Gott um MENSCH zu sein.
    Aber, MENSCH zu sein bedeutet auch die Meinung des Andersdenkenden zu respektieren, insbesondere eines Glaeubigen, egal welcher Religion !
    WAKH

  2. Heinrich Weidinger: Das mit der Deutungshoheit ist letztendlich der Kniefall vor einem Islam der so wie er sich überall darstellt, NICHT zu Deutschland passt. Der Islam „gehört“ auch nicht zu DE, sondern hier leben Menschen islamischen Glaubens, was ihnen unser GG auch ermöglicht. Um „Offene Briefe“ scheren sich weder die Regierung, noch Ressort innerhalb der Länder. In Sachen Schächten bat ich die Ernährungsminister des Bundes und Bayerns um eine eindeutige Stellungnahme, auf die ich seit 24.9. warte. Man sitzt alles aus, wartet alles ab, scheut jede Entscheidung und wundert sich, wenn dem Bürger der der Kragen platzt. Man untergräbt die ohnehin schwierigen Bemühungen moderater und liberaler Moslems und Muslima, um den islamischen Fundis einen Raum zu geben, der besser nicht gewährt und angeboten wird.

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