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Die großen Islamverbände Ditib, ZMD und der Islamrat sind gern gesehene Dialogpartner für den Staat, die Kirchen und die Medien. Doch welche Ziele und Erwartungen knüpft man an diesen Dialog?
Die islamischen Dachverbände predigen ein konservatives Islamverständnis, ein Weltbild, in dem die Menschen in Gläubige und Ungläubige eingeteilt werden und in dem die Konfessionszugehörigkeit und nicht der Charakter darüber entscheidet, welcher Gruppe man angehört.

Auf der Seite islam.de, einer Seite des Zentralrats der Muslime, dessen bekanntester Vertreter Aiman Mazyek ist, findet man unter den FAQ beispielsweise Vorgaben für die Beziehung zu Juden und Christen. Interkonfessionelle Ehen sind nur zwischen muslimischen Männern und jüdischen oder christlichen Frauen erlaubt, und auch nur unter der Bedingung, dass die gemeinsamen Kinder Muslime sind und im Islam erzogen werden. Alle anderen Varianten interkonfessioneller Ehen gelten als haram, also religiös verboten. Weitere Verbote sind das Verbot, bei einer christlichen Eheschließung als Trauzeuge zu fungieren. Auch ist es laut ZMD einem Muslim nicht gestattet, an Beerdigungsgottesdiensten für Andersgläubige teilzunehmen. Man denke nur einmal daran, was für Konsequenzen das für Konvertiten hat.
Sehr realitätsfremd mutet auch die Forderung des ZMD an, einen eigenen Ersatzunterricht für muslimische Schüler anzubieten, damit diese die Möglichkeit haben, freitags das Gemeinschaftsgebet in der Moschee zu verrichten. Und nicht minder fragwürdig erscheinen die Erläuterungen zu der Frage, ob Muslime in einer christlichen Kirche beten dürfen, die der ZMD wie folgt beantwortet:
Wenn damit das islamische Gebet (salat) gemeint ist, so lautet die Antwort ja. Allerdings mit der Einschränkung, dass man die Kirchenbesucher nicht stört. Es ist dabei eine Frage des praktischen Anstands, dass man vorher um Erlaubnis bittet.

Ist auf dieser Basis ein friedliches und respektvolles Zusammenleben aller in Deutschland möglich? Welche praktischen Konsequenzen haben obige Darlegungen für die Integration der Muslime in die nicht-muslimische Mehrheitsgesellschaft?
Bei wohlwollender Schätzung vertreten die konservativen Verbände circa 20% aller in Deutschland lebenden Muslime. Mittlerweile haben sich liberale und säkulare Organisationen und Gruppierungen gebildet. Es gibt Reformtheologen, die neue, zeitgemäße und humanistisch geprägte Ansätze wagen.

Das, was leider in vielen muslimischen Ländern nicht möglich ist, nämlich ein freier Austausch von Meinungen, ein kritischer Diskurs, Pluralität und Neuorientierung, darf, kann und muss in Deutschland stattfinden.
Wir plädieren deswegen dafür, die liberalen und säkularen Muslime mit in den Dialog einzubinden, die Pluralität muslimischer Denkansätze darzustellen, den offenen und kritischen Diskurs zu ermöglichen. Das bietet nicht nur Chancen für die Muslime, sondern für uns alle.