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Das Problem mit der islamischen Apokalypse

In einem Artikel, der am 3. Oktober 2016 in der New York Times erschien, beschreibt der türkischstämmige Journalist und Autor Mustafa Akyol, wie präsent endzeitliche Mythen heute noch in der islamischen Welt sind. Der IS hatte kürzlich auf seiner Website Dabiq ein verstörendes Bild gepostet, auf dem ein Dschihadist vor der bekannten schwarzen Flagge posiert. Darunter stand „Zerbrich das Kreuz“.

Dieser Spruch ist eine bekannte Prophezeiung, die die Endzeit einläuten wird. Sie findet sich in einigen Hadithen, also Überlieferungen Muhammads. Demnach kündigt sich der Weltuntergang durch mehrere Phänomene an, darunter auch die Ankunft des Mahdis, eines rechtgeleiteten Kalifen, der die Muslime einen und stärken wird, sowie die Rückkehr Jesu, der im Koran als Messias und das „Wort Gottes“ bezeichnet wird. Jesus wird bei seiner Rückkehr auf die Erde das Christentum aufheben und bestätigen, dass der Islam die einzig wahre Religion sei. Er wird islamischen Überlieferungen zufolge die Kreuze zerbrechen und die Schweine töten. Keine gute Nachricht also für die Christen.

Der Glaube an solche Endzeitprophezeiungen ist in der islamischen Welt nach wie vor ungebrochen. Einer Umfrage aus dem Jahr 2012 zufolge glaubt mehr als die Hälfte der Muslime aus neun muslimischen Ländern, dass die Ankunft des Mahdis unmittelbar bevorsteht, sie diese möglicherweise noch selbst erleben werden.

Eine weitere Prophezeiung betrifft die Ankunft des Dajjals, des Antichristen. So gibt es nicht wenige islamische Schreiber, die die Missstände innerhalb der islamischen Welt auf Machenschaften des Dajjals zurückzuführen. Und selbstverständlich braucht es dann auch einen von Gott gesandten Retter, der die islamische Welt aus den Fängen des Dajjals befreien wird. Bei so einer Sichtweise werden die eigentlichen Ursachen für die Missstände innerhalb der islamischen Welt völlig verkannt. Der Grund für die trostlose Lage innerhalb der islamischen Welt ist vielmehr darin zu sehen, dass sie in Sachen Wissenschaft, ökonomische Entwicklung und freiheitliche Demokratie dem Westen meilenweit hinterher hinkt.

Dabei gibt es durchaus Theologen, die der Meinung sind, dass all diese Endzeitbeschreibungen und Prophezeiungen als Metaphern zu verstehen seien. Muhammad Abduh, ein muslimischer Gelehrter des 19. Jahrhunderts z.B. versteht die Prophezeiung bezüglich einer Rückkehr Jesu als Hinweis auf eine innere Reform im Islam. Nicht Jesus würde zurückkehren, sondern seine Botschaft von Barmherzigkeit, Liebe und Frieden. Des weiteren befand er, dass konservative Muslime den Gesetzen viel zu viel Bedeutung beimaßen und dabei Spiritualität und Moral aus den Augen verloren.
Es liegt, so Mustafa Akyol, ganz bei den Menschen selbst, was sie aus den Schriften herauslesen. Aber es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man aus den Schriften herausliest, dass man andere zerstören soll oder ob man herausliest, dass Bildung und Aufklärung das eigentliche Ziel sind.

Zusammenfassung des Artikes The Problem With the Islamic Apocalypse von Mustafa Akyol.