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„Aufklärung“ des Islams?!

Konrad-Adenauer-Stiftung vom 6. Juli 2016
von Abdel-Hakim Ourghi

Der Islam und die Muslime erleben angesichts westlicher Stärke eine Sinnkrise. Es ist im Interesse der Muslime, eine historisch-kritische Koranexegese voranzutreiben, um sich von gewaltlegitimierenden Aussagen in islamischen Texten abgrenzen zu können.
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Aufklärerische Islamkritik sollte zu einem festen Bestandteil des muslimischen Bewusstseins werden. Eine ehrliche Debatte über die Facettenvielfalt des Islams tut Not. „
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Für die Entwicklung eines europäischen Islams sind die Annäherung des Islams an die Grundsätze der westlichen Moderne, eine kritische Auseinandersetzung mit dem religiösen und kulturellen Erbe und ein konstruktiver Dialog innerhalb der muslimischen Gemeinschaft sowie mit nichtmuslimischen Menschen ausschlaggebend.
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„Eine Aufklärung des Islams muss zum Ziel haben, die historisch akkumulierte Wissenstradition von menschengemachtem Ballast zu befreien. Sie kann als eine geistliche Bewegung verstanden werden, die Muslime zum Gebrauch der Vernunft
in ihrer Religion ermutigt.
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Der Islam ist keine staatliche Ordnung, die einen Totalitäts- und Universalanspruch erhebt, sondern eine religiöse Bewegung, die die Beziehung des Menschen zum Transzendenten festigen will. Muslime sollten keine Angst vor Kritik an zeitbedingten muslimischen Überlieferungen haben, sondern in einem vernunftgeleiteten humanistischen Diskurs neue Potentiale für einen zeitgenössischen Islam entwickeln.

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Liberale Muslime „Die Sinnkrise des Islam ist hausgemacht“

Braucht der Islam in Deutschland eine grundlegende Reform? Müssen Muslime mehr Selbstkritik üben? Der Theologe Abdel-Hakim Ourghi wirft den muslimischen Verbänden kolossale Verdrängung vor: „Der Islam ist therapiebedürftig.“

SPIEGEL ONLINE: In der „Freiburger Deklaration“ fordern Sie mit anderen liberalen Muslimen eine grundlegende Reform des Islam. Wie soll die aussehen?

Ourghi: Wir müssen die kanonischen Quellen – den Koran und das Leben des Propheten – reflektiert verstehen und zeitgemäß interpretieren. Wir leben in einem westlichen Kontext, also sollten wir versuchen, anhand der Vernunft die islamische Identität kritisch infrage zu stellen und uns damit im Rahmen einer Islamreform auseinanderzusetzen.

SPIEGEL ONLINE: Sie träumen von einem humanistischen, säkularen Islam. Braucht Ihre Religion eine Phase der Aufklärung?

Ourghi: Ja, und zwar dringend. Wir müssen uns doch nur die Realität ansehen: Der Islam befindet sich in einer Sinnkrise, in einem pathologischen Zustand. Diese Sinnkrise ist hausgemacht und bedarf eines Therapieprozesses auf Basis der Aufklärung. Wir Muslime müssen eine mutige und ehrliche innerislamische Debatte führen, um uns aus der historischen Unmündigkeit zu befreien. Befreien auch von Wissenstraditionen und menschengemachtem patriarchalischem Ballast. Ohne Tabus, Denkverbote und Dogmen. Nur so können wir Anschluss an die Moderne finden

SPIEGEL: „Die Sinnkrise des Islams ist hausgemacht“